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Rainer Maria Rilke:
SIE WAR
- Sphinx
- Sie war


SPHINX

Sie fanden sie, den Schädel halb zerschlagen,
in starrer Hand das heiße Rohr von Stahl.
Die Menge gaffte. - Bis der Rettungswagen
Sie brachte in das gelbe Stadtspital.

Nur einmal hat das Aug sie aufgeschlagen ...
Kein Brief, kein Name, nur ein Kleid, ein Schal;
dann kam der Arzt mit seinen leisen Fragen
und dann der Priester. - Sie blieb stumm und fahl.

Doch spät bei Nacht, da wollt sie etwas sagen,
gestehn... Doch niemand hörte sie im Saal.
Ein Röcheln. - Dann ward sie herausgetragen,
sie und ihr Schmerz. - Und draußen steht kein Mal.

- 1885 -


SIE WAR

Ein unerwünschtes Kind, verstoßen
auch aus der Mutter Nachtgebet,
und ewig fern von jenem Großen,
das gebend durch die Zeiten geht.

Sie wünschte wenig - und nur selten
kam wie ein Weinen über sie
nach einem Land mit Purpurzelten,
nach einer fremden Melodie,

nach weißen Wegen, die nicht stauben -
dann bog sie Rosen sich ins Haar,
und konnte doch nie Liebe glauben,
auch wenn es tief im Frühling war.

- 1897 -



Rainer Maria Rilke (1875-1926):
Tausend Stäbe
Sie war
Unser Besitz ist Verlust
Rosenerben
Träume nach dir schrein
Ein jeder Engel ist schrecklich
Aus einer Sturmnacht
Mondnacht
Gesichter
Rainer Maria Rilke - Die Gedichte
Rainer Maria Rilke - Werke Online
Internationale Rilke-Gesellschaft


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