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Johann Wolfgang von Goethe:

SELIGE SEHNSUCHT

Sag es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebendgie will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.
 
In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.
 
Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reisset neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.
 
Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.
 
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Johann Wolfgang Goethe (1749-1832):
- Faust
- Der Erlkönig
- Selige Sehnsucht
- Zuneigung
- Das Göttliche
- Der Zauberlehrling
- An den Mond
- Der Totentanz
- Werke online



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