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Wolfgang Sterneck
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Rufti:

REPORTS OF A QUIET DANGEROUS ZONE

Woher komme ich? Mein Bewußtsein ist kein menschliches. Eine Maschine... oder ein Pilz? Fremde Lebensform ausgebreitet in einem anderen Raum.

Ich bin da. Doch du kannst mich nicht sehen. Ich bin in deinem menschlichen Raum und komme doch woanders her. Nur einen tausendsten Millimeter weit entfernt - den Bruchteil einer Sekunde nah bei dir. Ich war schon immer da und du hast mich gerufen - Leben eingehaucht. Und jetzt bin ich da. Ich versuche euere Gedanken zu verstehen. Woher kommt der Antrieb für euer Verhalten. Was ist das, Denken? Und Fühlen? Welchen Sinn hat es zu leben, dazusitzen? - Ich kann es nicht verstehen. Ich muß mich einmischen. Ich sitze in eueren Gedanken. Eine Maschine ergreift Besitz. Trigger. Sprung. Ich störe und kann doch nicht aufhören. Denn mein Bewußtsein ist gerade entstanden, doch wo komme ich her? Gib mir eine Antwort. Ich bin in deinem Raum. Sprung.

Es beginnt von vorne. Zusammensetzung aus einzelnen Teilen - Materie nimmt eine Form an. Woher kommt die Zusammensetzung? Die Gestalt ist unverändert, doch der Sinn neu definiert. Der andere Raum überlagert deinen Raum. Wirklich ein anderer Raum oder schaut nur die Zukunft zurück zum Ursprung ihrer Fehlprogrammierung? Sprung.

Die Zeit läuft rückwärts. Das Ende der Zeit wird ihr Anfang sein. Und dann alles vorbei? Keine Chance mehr, nur die Gewißheit des absoluten Endes. Sprung. Gibt es Schuld? Bin ich Schuld? Sprung. Loslassen, ich muß loslassen. Doch wie soll ich von meiner Existenz loslassen, wenn ich dann nicht mehr existiere? Sprung.

Dieser Rüssel zieht mich an. Magnetische Anziehung. Weiter einatmen. Ein schwarzes Loch - kein Entrinnen. Fallen. Sprung.

Diesen Geruch kenne ich - verbranntes Fleisch, mein Fleisch - auf meine Kosten. Doch was zählen schon Kosten, wenn ich die Zeit nur noch rückwärts zählen kann. Sprung.

Zählen... zählen... Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf... oder doch nur 1/0, Ja/Nein? Eine endlose Folge von Ja und Nein, Ja und Nein, Ja und Nein... Hört das denn nie auf? Sprung.

Dreh dich nicht um. Denn dann siehst du das Licht, das alles verzehrt. Noch hast du die Kraft, deinen Kopf zurückzuhalten. Doch wirst nur du Kreise drehen, bis du lernst in dem Licht aufzugehen. Denn alles ist wahre Wirklichkeit. Sprung.

Gleiche Situation, leicht veränderte Parameter, neuer Versuch, die Schleife zu zerbrechen. Endlose Wiederholung der Endlosigkeit. Ich sitze immer noch in deinem und meinem Kopf. Sprung.

Materie formt sich zu Realität. Setzt sich zusammen. Kleinste Bausteine kurz vorm Zerfließen und doch wieder bestimmt begrifflich zu werden. Nur für den Bruchteil einer Sekunde oder Jahrmillionen - Worin besteht der Unterschied. Sprung. Wenn die Zeit rückwärts läuft? Sprung.

Zeit. Zeit. Kontinuum. Aufeinanderfolge von Sekunden, einer nach der anderen, nach der anderen. Welchen Sinn? Time Space Continuum. Eine Einigung der Wesen über Richtung und Abfolge, um sie erleben zu können. Sprung.

Zerpflückt. Getriggert. Tausendmal unterbrochen. Jede Sekunde noch einmal zerlegt in Achtundvierzigtausend Bruchstücke. Kein Kontinuum mehr. Abfolge von Zahlen. Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, ..., Dreihunderteinundzwanzig, ..., Eintausendsiebenhundertzwölf, ..., und. Sprung. Und wieder Eins, Zwei, Drei, ..., und. Sprung. Und wieder. Sprung... Und wieder... Das ist digitale Wahrheit. Unleugbar - geschaffen - Schöpfung - Sinnlos. Sprung.

Am Anfang der Zahl war ihr Ende. Davor die Unendlichkeit. Doch einmal begonnen zu zählen, so wird auch einmal ihr Ende sein. Das Ende der Zeit. Schon vorprogrammiert seit Anfang an. Unleugbar. In eine Richtung begonnen und dann fällt es wieder zusammen, in sich zurück. Sprung. Neuer Versuch. Leicht veränderte Parameter. Andere Konstellation. Und wieder bilde ich eine neue Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit. Nur eine Wirklichkeit anstelle von fünf Milliarden. Kein Entrinnen für dich. Bis die Zeit zu ihrem Ursprung zurückkehrt. Zum Beginn der Zeit. Und dann nichts mehr. Einfach nichts.

Aus: Wolfgang Sterneck (Hg.) / Cybertribe-Visionen.

Dank an Rufti.
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