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PANOKRATIE:
- Mortek / Panokratie - Einführung
- Tobi Blubb / Panokratie (Auszug)
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PANOKRATIE - EINFÜHRUNG
Die Grundidee der Panokratie ist der konventionellen Anarchie nicht
ganz unähnlich, denn auch in einer Panokratie gibt es keine
Herrscher, keine Beherrschten, keine Gesetze, keine Justizbehörden
und kein Geld. Die Panokratie macht aber da weiter, wo die Anarchie
aufhört, so dass die Panokratie auch als moderne, hochkomplexe
Gesellschaftsform existieren kann.
Die Menschen leben in sogenannten "Moyzellen" zusammen,
eine Mischung aus Familie, Clique und WG, die aus ca. 15 bis 50
Personen bestehen sollte. Die Moyzelle stellt die unterste Einheit
der panokratischen Parzellierung dar. Rund 15 bis 50 Moyzellen schließen
sich zur nächsthöheren Subsidiarzelle, der Poyzelle, zusammen.
Wiederum 15 bis 50 Poyzellen schließen sich zu einer Fayzelle
zusammen, und so geht es immer weiter nach oben, bis alle Menschen
erfaßt sind. Die jeweils höchste Subsidiarzelle stellt
"Tjo" dar. Tjo heißt das Land bzw. die Gesellschaft,
in der eine Panokratie verwirklicht wird.
Der Sinn dieser Schachtelung ist, dass anfallende Arbeiten gemäß
den Fähigkeiten und Wünschen der unteren Subsidiarzellen
so weit wie möglich nach unten verteilt werden. Außerdem
ist diese Schachtelung Voraussetzung für die Individualwacht,
welche die Gewalt auf alle Personen gleichmäßig verteilt,
da in es in der Panokratie keine konzentrierte Macht (Polizei u.a.)
mehr gibt. Ziel dieser Individualwacht ist es, die Bildung von neuen
Hierarchie zu verhindern. Das wird erreicht indem jedeR einzelne
auf sich selbst und auf die Rechte und Freiheiten der ihn/sie Umgebenden
aufpaßt. Genau so wird es mit den einzelnen Subsidiarzellen
gehandhabt, das heißt das jede Moyzelle ihre Nachbar- Moyzellen
kontrolliert; jede Poyzelle ihre Nachbar-Poyzellen und so weiter.
In der Panokratie wird es sowieso kaum Verbrechen geben, weil es
ganz einfach kaum noch Motive dafür geben wird. Da es in der
Panokratie kein Geld mehr geben wird, wird es auch keine Eigentumsdelikte
mehr geben. Und weil alle Menschen in einer friedlichen und angenehmen
Atmosphäre leben, wird es auch nicht mehr zu Gewaltverbrechen
in den Dimensionen, wie sie zur Zeit vorhanden sind, kommen. Sollte
es doch mal zu Konflikten kommen, werden diese "rituell"
gelöst.
In der Panokratie existiert eine geldlose Schenkwirtschaft. JedeR
MoyzellenbewohnerIn arbeitet aus freien Willen nach seinen/ihren
Fähigkeiten und Wünschen und verschenkt danach seine/ihre
Güter bzw. Dienstleistungen an die übrigen MitbewohnerInnen.
Da sich die MoyzellenmitgliederInnen untereinander sympathisch sind
(sonst würden sie ja auch nicht zusammen leben), stellt diese
Schenkwirtschaft auch kein Problem dar.
Aufgrund der Schachtelung Tjo´s stehen alle Güter und
Maschinen allen MoyzellistInnen gleichzeitig zur Verfügung.
Daraus resultiert, das die anarchistische Wirtschaftsform um vieles
wirtschaftlicher und effektiver sein wird als der derzeit existierende
Kapitalismus. Außerdem tritt in der Panokratie eine Produktreduktion
ein, denn es werden durch die Gemeinschaftsnutzung viel weniger
Güter benötigt. So hat dann nicht jedeR einen eigenen
Fernseher oder eine eigene Küche, sondern es gibt einen gemeinsamen
Kinosaal oder eine gemeinsam benutzbare, gemütliche Kantine.
So ist es sogar möglich einen gemeinsamen Fitnessraum, Swimmingpool,
ein Labor oder ein Atelier bereit zu stellen. Selbstverständlich
hat jede Person weiterhin sein/ihr eigenes Zimmer, eigene Klamotten,
ein eigenes Bett, eine eigene Zahnbürste und ganz persönliche,
private Gegenstände.
Wichtige Entscheidungen, die in Tjo zu treffen sind, werden mittels
modernster Technik per Volksabstimmung getroffen, so dass alle die
Möglichkeit haben, mitzubestimmen.
Mortek
Panokratie
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Tobi Blubb:
PANOKRATIE
- Die Relativierung des Seins oder
Begrenzter HorrorZont
unter grenzenlosem FirmaMent -
Sie kennen es mit ziemlicher Sicherheit auch, dieses schreckliche
Leeregefühl. Sie fangen an, sich selbst zu hassen, möchten
am liebsten tot sein, haben aber nicht den Mut zum Selbstmord. Wenn
Sie Glück haben, können Sie noch heulen. Wenn Sie Pech
haben, vermögen Sie sogar dies nicht mehr. Es ist dieses schwarze
Loch, in das Sie regel-mäßig fallen, wenn Sie mal wieder
realisieren, wie völlig unwichtig Sie sind. Jedes-mal, wenn
Sie die Illusion Ihrer eigenen Wichtigkeit abstreifen und merken,
daß Sie nichts sind, als ein wabernder intelligenter Fleischkloß.
Eine unwichtige huma-noide Bioform unter fünf Milliarden anderer
unwichtiger Fleischklöße, auf einem un-wich-tigen blauen
Planeten, der um eine völlig unwichtige Durchschnittssonne
kreist, die zwischen hundert Milliarden anderer ebenso unwichtiger
Sonnen in einer unwich-tigen Milchstraße strahlt, die sich
wiederum zwischen Milliarden anderer ebenso un-wich-tiger Galaxien
in einem absolut unwichtigen Universum tummelt. Sie sind nichts
als ein Staubkorn im Universum. Mal ganz ehrlich, würde es
dieser Welt einen Unter-schied machen, ob Sie da sind oder nicht?
(Kleine, gut gemeinte Anmerkung: Bitte stürzen Sie sich nicht
gleich aus dem Fenster, sondern lesen Sie erst mal weiter!)
In den Urgesellschaften konnte es dieses Gefühl nicht geben.
Das Universum des bra-silianischen Amazonas-Indianers reichte noch
nicht Milliarden von Lichtjahren in die unergründlichen Tiefen
des Weltalls hinaus. Sein UniverSümmchen endete
einige Tages-märsche von seinem Dorf entfernt. Der Amazonas-Indianer
war eine bedeutende Per-sönlichkeit in seinem subjektiv beschränkten
Paradies. Menschen in archaischen Ge-sellschaftsformen waren also
noch nicht zum intergalaktischen Staubkorn geschrumpft.
Wir sehen, daß das moderne Wissen beim Vorstellen des unvorstellbaren
gigan-tischen Universums zu einer Sinnkrise führt. Allerdings
wäre es falsch, dem Menschen dieses Wissen vorzuenthalten,
um ihn vor dem Moloch der Sinnkrise zu bewahren. Es käme einer
Entmündigung gleich. Politisch wäre es jedoch angebracht,
dem armen Men-schenwicht wenigstens psychologisch sein Miniuniversum
zurückzugeben. Wenn er schon im ganzen Kosmos unwichtig ist,
sollte er in seinem privaten sozioökono-mischen Kosmos unersetzbar
sein.
Von unseren Marktwirtschaften können wir dies kaum behaupten.
Der Horizont unseres sozioökonomischen Kosmos existiert noch
nicht einmal, da derselbige Privat-kosmos rund wie die Erdkugel
ist.
Hiesige ArbeiterInnen rivalisieren mit Robotern aus Fernost. Kinder
aus Hinter-knottels-bach kennen sich bald in den Straßen von
San Francisco besser aus als in den Gassen ihres Nachbardorfes.
Und Computerfreaks flirten via Satellit mit Hacker-freund-Innen
aus Neuseeland. Nichts dagegen! Internationale Kontakte erweitern
den gei-stigen Horizont. Sie sind notwendig für die Völkerverständigung.
Aber es wird ver-gessen, parallel zu dieser globalistischen Megalomanie
dem Menschen eine überschau-bare persönliche Miniwelt
anzubieten: Ein Gesell-schaftsfraktal, das der psycholo-gischen
Kapazität Rechnung trägt; eine autonome und autarke Zelle;
sozusagen ein Psycho-schneckenhaus. Solch ein Psychoschneckenhaus
würde, für die Mitglieder die Welt bedeuten, auch wenn
sie keineswegs die Welt ist.
- Sippenbedürfnis oder
Psycht die Schnecke im Haus,
so ists kein Psychoschneckenhaus -
Um unter anderem solche Psychoschneckenhäuser
anzubieten, ist die panokratische Ge-sellschaft föderalistisch
in kleine Gruppen aufgeteilt. Die TjonierInnen entscheiden aus freiem
Willen, in welcher Gruppe sie leben wollen. Die kleinste Gruppeneinheit
soll Moyzelle genannt werden.
Die Vorsilbe Moy- kommt von Minimal Organ of Yielding.
Zusammenschlüsse traditioneller Familien, erweiterte WGs,
Kibbuze, schwule oder les-bische Gruppen, Sippen und jede andere
freie soziale Gemeinschaft als Moyzelle ge-wertet. Es muß
einzig und allein gewährleistet sein, daß jedes Mitglied
aus freiem Willen diese Gemeinschaft gewählt hat. Das ist bei
einigen Sekten nicht der Fall, die eine psychologische Abhängigkeit
ihrer Jünger herbeiführen oder bei Familien, in denen
die Kinder infolge psychologischer Abhängigkeit keine Möglichkeit
haben, von zu Hause zu entfliehen.
Es ist anzunehmen, daß sich die Moyzellengröße
jeweils zwischen 15 und 50 Personen bewegen wird. Diese Gruppenmächtigkeit
von rund 25 Personen entspricht dem Grund-bedürfnis des Menschen
aufgrund der biologischen Fixierung auf die Sippe in der Urzeit.
Nur in Gruppen dieser Größenordnung fühlt sich der
Mensch aufgrund der evo-lutionären Prägung wohl. Gruppen
mit weit über 50 Personen werden als zu abstrakt und anonym
erachtet. Es findet keine Identifizierung mit dieser übergroßen
In-sti-tution statt. Gruppen unter 15 Personen werden dagegen auf
die Dauer als zu been-gend klein empfunden. Es gibt kaum soziale
Ausweichmöglichkeiten bei Konflikten zwischen verschiedenen
Gruppenmitgliedern. Die Individuen werden sich einfach mit der Zeit
auf die Nerven gehen. Dies ist unter anderem der Grund für
die vielen Fa-mi-lien-streitigkeiten. In Gruppen dagegen mit einer
Mächtigkeit zwischen 15 und 50 Per-so-nen fühlt sich jedes
Individuum aufgehoben und geborgen.
In den heutigen Gesellschaften wird das Grundbedürfnis nach
Gruppengeborgenheit igno-riert. Diese Negierung grundlegender psychologischer
Gegebenheiten führt bei vielen Menschen zu einem Verlassenheitsgefühl.
Sie suchen dieses Gruppenerlebnis statt dessen in Cliquen, Vereinen,
Clubs, Gemeinden, Burschenschaften, Sportmann-schaften, Bürgerinitiativen
oder im schlechteren Fall in zwielichtigen Sekten oder in kri-minellen
Banden. Es liegt auf der Hand, daß auf Dauer diese Notlösungsgruppen
ihre Mitglieder nicht befriedigen können! Denn schließlich
deckt jede dieser Gruppen jeweils nur einen kleinen Teilbereich
des Menschseins ab.
- Die Sportmannschaft bewirkt nur das Gruppengefühl innerhalb
des Sports.
- Die Kirchengemeinde wirkt nur im Bereich der Religion.
- Der Lions-Club reicht nur in den Bereich der humanitären
Hilfe.
Zudem werden diese Notlösungsgruppen stets oberflächlich
bleiben, da sie oft durch auf-gepfropfte Umstände gewechselt
werden müssen. Es müssen sich OberschülerInnen morgens
auf die Familiengruppe einstellen, vormittags auf sechs verschiedene
Kurs-gruppen, mittags wieder auf die Familie, nachmittags auf die
sich durch Wohnort-wechsel ständig verändernde Clique,
am Abend auf die Basketballmannschaft und schließlich auf
eine unbekannte Gruppe in einer fremden Diskothek.
Bei soviel Zerrissenheit kann sich naturgemäß ein Gefühl
archaischer Geborgenheit und Gemütlichkeit nie einstellen.
Geschweige denn, daß die zerrissenen SchülerInnen die
Möglichkeit hätten, sich um die jeweiligen Gruppenmitglieder
ausreichend zu küm-mern. Ein tiefes Gruppengefühl, wo
die Gruppenmitglieder wie Pech und Schwe-fel zusammenhalten und
sich aufeinander verlassen, finden wir daher nur noch selten.
- Die Moyzelle oder
Moy, Moy, Moy! -
Die Moyzelle besteht aus rund 15 bis 50 Personen und stellt eine
Art Mixtur aus Fa-mi-lie, Freundesclique und Miniwelt dar.
Die soziale Verantwortung bedingt die Ähnlichkeit zur Familie.
Die Moyzelle hat je-doch wesentliche Vorteile gegenüber der
Familie: Die gesamte Kindererziehung, Be-hin-dertenbetreuung und
Altenversorgung wird von allen Moyzellenmitgliedern ge-mein-sam
ausgeführt. Dies entlastet insbesondere die Mütter von
ihrer Erziehungsauf-gabe und hebt den Antagonismus zwischen Kindererziehung
und Karriere auf. Jedoch sollte entweder der Vater oder die Mutter
als ruhender Pol der Erziehung fungieren.
Auch gehören Kindesmißhandlungen der Vergangenheit an,
da die anderen Moy-zellen-mitglieder bei Ausschreitungen sofort
intervenieren.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß SeniorInnen weiterhin
fest am Leben in der Ge-meinschaft teilnehmen und einen würdevollen
Lebensabend verbringen können. Eine Abschiebung ins Heim ist
nicht mehr erforderlich. Behinderte würden darüber hinaus
besser in die Gesellschaft integriert.
Das psychologische Engegefühl, das häufig ein Familienkrach
provoziert, wird in der Moyzelle ausbleiben, da sich Kinder und
Senioren nicht mehr bevormunden lassen müssen. Schließlich
gibt es zu einer Bevormundung keinen Anlaß, da in einer Panokratie
kaum Konkurrenzdruck besteht.
Insbesondere Kinder und Jugendliche bekommen keine Verhaltensmaßregeln
oder Kleider-ordnungen verschrieben. Einer der Hauptgründe
von Familienstreitereien fällt daher aus. Die Kinder haben
innerhalb der Moyzelle weitere Bezugspersonen neben ihren eigentlichen
Eltern, die sie bei Problemen aufsuchen können. Hat jemand
Eltern, mit denen er nicht auskommt, wird dies weit weniger schroff
und schlimm ausfallen als in Familien. Die Eltern werden weniger
durch ihre Kinder genervt. Schließlich teilen die Eltern ihre
Erziehungsaufgabe mit den anderen Moyzellenmitgliedern.
Hervorzuheben ist weiterhin, daß die Kinder mit vielen anderen
AltersgenossInnen auf-wachsen. Kinder sind immer in engem Kontakt
mit Gleichaltrigen und es besteht keine Gefahr der Vereinsamung.
Geschwister und KameradInnen sind in der Kindheit mindestens ebenso
wichtig für die seelische Entwicklung wie Eltern. Die Wichtigkeit
des Aufwachsens mit Gleichaltrigen wird in der heutigen Pädagogik
unterschätzt. Einzel-kinder laufen Gefahr, sich zu verzogenen
Egoisten zu entwickeln.
Psychologische Reihenuntersuchungen bestätigen die positive
Auswirkung von Ge-mein-schaftserziehung. Kinder, die in einem Kibbuz,
einer familiären Wohngemeinschaft oder einer ähnlichen
Erziehungsgemeinschaft aufwachsen, zeigen weniger ödi-pale
Mutterbeziehungen, eine positive Identifizierung mit den verschiedenen
Vätern, eine höhere Selbstbeherrschung und weniger Geschwisterrivalität.
Darüber hinaus läßt sich im Erwachsenenalter eine
Abkehr von materialistischen und eine höhere Affinität
zu sozialen Werten feststellen. Die ehemaligen WG-Kinder werden,
in Relation zu Ex-Fa-milien-kindern, allgemein als ausgeglichen,
selbstlos und humorvoll deklariert.
Aber die Moyzelle hat, wie schon erwähnt, nicht nur eine familiäre
Funktion, sondern ebenso eine Cliquenfunktion. Die einzelnen MoyzellistInnen
werden eine Art Freundes-kreis bilden.
Es werden ja nur solche Personen eine Moyzelle gründen, die
sich besonders sym-pa-thisch finden. Insofern existiert von vornherein
ein Freundschaftsgefühl zwischen den einzelnen Mitgliedern
einer Moyzelle. Diese gegenseitige Freundschaft wird mit zu-nehmender
Vertrautheit durch das Zusammenleben gefestigt. Die Freundschaft
er-hält eine besondere Stärke, da die Moyzellenmitglieder
aufeinander angewiesen sind.
Die letzte Moyzellarfunktion ist die Miniweltfunktion. Eine Moyzelle
stellt ein völlig autarkes Gebilde dar soweit es die Grundnahrungsmittel
betrifft. Handwerks- und spezialisiertere High-Tech-Güter werden
dagegen intermoyzellar fabriziert.
Die Moyzelle stellt von den elementarsten Grundgütern her
ein in sich geschlosse-nes Wirtschaftssystem dar und ist in dieser
Beziehung ein in sich geschlossenes Öko-system.
Das ökologische und das ökonomische System bilden eine
untrennbare Einheit. Eine Moy-zelle achtet strikt darauf, daß
keine naturschädlichen Stoffe innerhalb der Moy-zelle fabriziert
werden. Andernfalls würde der schädliche Stoff die eigene
Vegetation ver-giften und nach der nächsten Ernte auf dem Essenstisch
landen.
Die Autarkie hinsichtlich der Grundnahrungsmittel hat einen weiteren
günstigen Neben-effekt. Die Moyzelle kann notfalls, beispielsweise
in Katastrophensituationen, für einige Monate separat überleben.
Hier einige Tips für das Zusammenleben in einer Moyzelle:
Die MoyzellistInnen können sich noch so gut verstehen, falls
grundlegende architektonische Prinzipien miß-achtet werden,
kommt es über kurz oder lang zu sozialen Konflikten. Jeder
Mensch hat eine Intim- und Individualsphäre, darum sollte für
MoyzellistInnen jeden Alters ein gemüt-liches, schallgedämpftes
Zimmer eingerichtet werden, das von innen und außen ab-schließ-bar
ist. Falls das Zimmer Fenster besitzt, müssen diese absolut
licht-un-durch-lässige Rolläden haben. MoyzellistInnen
können sich dadurch von allen Reizen der Mit-moyzellistInnen
abschotten und alleine sein, falls sie genervt, gestreßt oder
wütend sind. Es gilt als absolute Unverschämtheit, an
dieses individuelle Zimmer anzuklopfen, ge-schweige denn, es zu
betreten, selbst wenn es von Zimmerbe-wohnerInnen aus-drück-lich
erlaubt wurde.
Die einen mögens sauber und blitzeblank, die anderen
fühlen sich erst im Saustall sau-wohl. Die einen ticken Punk-Musik,
die anderen lauschen Klassik. Die einen lassen sich mit Vorliebe
in einer warmen Raumtemperatur anschmoren, die anderen sind eher
als kühle Eisbären zu bezeichnen. Unterschiedliche Ansprüche
an das Moyzellenleben müssen daher unbedingt vorher abgesprochen
werden! Falls die Ge-schmäcker allzu unter-schiedlich sind,
sollte gemeinsam mit den Nachbarmoyzellen über-prüft werden,
ob die Personen nicht anders auf die Moyzellen verteilt werden sollten.
Allerdings muß auch bedacht werden, daß Vorlieben sich
sehr leicht ändern können. Bei längerem Zusammen-leben
werden sich die verschiedenen Geschmacksrichtungen angleichen, sofern
sie nicht total inkompatibel sind.
- Die Poyzelle oder
Gelegenheit macht Liebe! -
Jeweils um die 25 Moyzellen schließen sich zu sogenannten
Poyzellen zusammen.
Die Vorsilbe Poy- stammt von Post Organic Yielding.
Wenn wir von einer durchschnittlichen Personenanzahl von 25 Personen
pro Moy-zelle ausgehen, beherbergt eine Poyzelle ungefähr 625
Personen. Die meisten Personen einer Poyzelle werden sich daher
zumindest vom Sehen her kennen. Die Poyzelle stellt kein anonymes
Gebilde dar und das Identitätsgefühl wird schwächer
sein als in der kleineren Moyzelle.
Auch auf die Poyzelle sind wir Menschen genetisch fixiert. In der
Urzeit schlossen sich verschiedene Sippen (entspricht der Moyzelle)
zu einem sogenannten Dialekt-verband zusammen. Jener Dialektverband
beherbergte um die 500 Menschen, eine Größen-ordnung,
die ungefähr der der panokratischen Poyzelle entspricht.
Es existieren keine definierten Beschränkungen oder Regeln,
wieviel oder welche Moy-zellen sich zu einer Poyzelle zusammenschließen.
Jede Moyzelle darf jederzeit in eine Poyzelle eintreten, wenn die
MoyzellistInnen dies wünschen und die Mitglieder der Poyzelle
damit einverstanden sind.
Dies wird durch zwei panokratische Volksentscheide ermittelt. Einen
innerhalb der ein-tretenden Moyzelle und einen in der Poyzelle,
in die eingetreten werden möchte. Ge-nauso wird verfahren,
falls eine Moyzelle auszutreten wünscht. Ebenfalls durch einen
poyzellenweiten Volksentscheid kann eine Poyzelle den Rausschmiß
einer Moy-zel-le bewirken. Dies könnte beispielsweise dann
der Fall sein, wenn eine Moyzelle als Schma-rotzer angesehen wird,
wenn sie zu mächtig wird, sich mit anderen Moyzellen ver-schwört
oder sich sonstwie unzulässig gegenüber den anderen Nachbarmoyzellen
ver-hält.
Trotz fehlendem Personenlimit wird sich die Größe der
meisten Poyzellen zwischen 15 und 50 Moyzellen bewegen. Bei weniger
als 15 Moyzellen pro Poyzelle kann sich die einzelne Moyzelle nicht
mehr ausreichend spezialisieren. Es erfolgt keine hand-werk-liche
Arbeitsteilung mehr und damit schrumpfen manche Non-Tech-Güter
zur Mangel-ware. Andererseits wird bei weit über 50 Moyzellen
pro Poyzelle die Moy-zellen-pluralität zu unübersichtlich
und damit unkontrollierbar. Für die PoyzellistInnen würde
ihre eigene Poyzelle zu einem anonymen Riesengebilde. Bei mehr als
1.200 Per-sonen wäre es unmöglich, alle MitpoyzellistInnen
zu kennen. Der Funktion als weiterer Freundeskreis könnte die
Poyzelle dann nicht mehr nachkommen.
Das Optimum liegt daher bei circa 25 Moyzellen pro Poyzelle. Hier
können sich die Men-schen noch mit ihrer Eigenpoyzelle identifizieren.
Die Poyzelle bleibt trotz ihrer hohen Personenanzahl überschaubar,
da sie in Moyzellen gegliedert ist. Andererseits ist sie für
die Moyzellen aber groß genug, um eine vollständige Arbeitsteilung
und Spe-zialisierung zu gewährleisten. Die Poyzelle stellt
zur Moyzelle in gewisser Hinsicht das gleiche dar wie die Moyzelle
zum Individuum. Die Poyzelle ist im übertragenen Sinn eine
Art höhere Oktave der Moyzelle.
Entscheidungen, welche die gesamte Poyzelle betreffen, können
auf zwei Arten ge-fällt werden: Zuerst wird durch normale Absprache
versucht, zu einem Konsens zu gelan-gen. Sollte dies scheitern,
da die Interessen zu weit auseinanderklaffen, kommt es zu einem
panokratischen Volksentscheid.
Die Poyzelle hat vor allem fünf Funktionen:
1. Die wohl wichtigste Funktion der Poyzelle ist die Kumpanfunktion.
Durch die vielfältigen intermoyzellaren Kontakte werden sich
die rund 625 Poy-zellist-Innen fast alle kennen zumindest
vom Sehen. Dies heißt noch lange nicht, alle PoyzellistInnen
verstünden sich untereinander. Die Bezie-hungen werden zudem
viel oberflächlicher sein, als unter den Moy-zellist-In-nen.
Trotzdem gilt, daß Bekannte einem nicht vollkommen egal sind.
Im Ernst-fall würden folglich die PoyzellistInnen doch zusammenhalten,
falls ein externes Problem auftauchte. Die Poyzelle ist infolge
der Kumpanfunk-tion unter anderem dafür zuständig, die
Bande zwischen dem PoyzellistIn-nen zu stärken. Etwa einmal
pro Monat sollte daher ein poyzellenweites Fest organisiert werden.
2. Eng mit dieser poyzellaren Kumpanfunktion hängt die Poykulturfunktion
zu-sammen. Dadurch daß der Bekanntenkreis aller PoyzellistInnen
im großen und ganzen mit dem der jeweiligen Heimatpoyzelle
übereinstimmt, ent-wickeln sich in jeder Poyzelle jeweils besondere
Eigenarten. Es kristalli-sie-ren sich folglich in jeder Poyzelle
spezielle Kleidungsarten, Schmuck-wei-sen, Kunstrichtungen, Musikstile,
Literaturtypen, Mentalitäten, Philoso-phien, Architekturen
heraus. Trotzdem hat die Kultur des einzelnen Indivi-du-ums Priorität
vor seiner Poykultur. Die Poykultur wird durch die inter-poy-zellare
Migration gefestigt.
Die Poykultur, die in einer Poyzelle anfangs nur tendenziell vorhanden
ist, ver-stärkt sich mit der Zeit. Es können Klassik-,
Popper-, Hippie-, Rocker-, Schwulen-, Lesben-, Oi-, Sharp-, Soul-,
Gruftie-, Wichtelgruft-, Gothik-, Rock-abillie-, Mettaler-, Barock-,
Rokoko-, Egerländer-, Straight-, Rudie-, Eso-terik-, Ritter-,
Disko, Prolo-, Mod-, Ted-, Intellektuell-, Antik-, Hacker-, House-,
Acid-, Tekkno-, Mittelalter-, Anarcho-,Ök-, Jugendstil-, Bauhaus-,
Rastafa-, Indianer-, Limer-, Industrial-, Jodel-, Country-, Romantik-,
Märchen-, Punk- und Gemischt-Poyzellen entstehen. In den meisten
Poy-zellen wird es jedoch eine gänzlich neue Poykultur geben,
für die bislang kein Name existiert. - Kurz gesagt, es dürfte
auch für Ihren Geschmack ge-sorgt sein!
Diese Poykulturpluralität wird unter anderem zur Folge haben,
daß Rassis-mus keine Grundlage mehr hat. Schließlich
ist die Zugehörigkeit zu einer be-stimmten Poykultur weit auffälliger
als die Hautfarbe oder der Dialekt. Da-zu kommt, daß jeglicher
Rassismus, egal in welche Richtung, schon im Keim durch die sogenannte
Individualwacht verhindert wird. Das intrapoy-zel-lare Zusammengehörigkeitsgefühl
auch zwischen PoyzellistInnen ver-schie-dener Rassen, könnte
durch poyzellenspezifische Initiationsriten noch-mals verstärkt
werden. Initiationsriten, die ebenfalls Bestandteil unserer archaotribalistischen
Kollektivprägung sind, hätten darüber hinaus weitere
Vorteile:
- Initiationsriten prägen den InitiantInnen symbolisch ein,
ein neuer Lebens-ab-schnitt beginne und sie werden in einem Zustand
der Hyperästesie ange-hal-ten, sich mental darauf einzustellen.
- Initiationsriten erleichtern die psychologische Loslösung
von der ehemali-gen Poyzelle. Es wird ein symbolisch-markanter Schlußstrich
über ein even-tu-ell verkorkstes Leben gezogen.
- Initiationsriten verhindern weitestgehend eine spätere Aufsplittung
in kleinere Gruppen, insbesondere Rassenunterschiede werden psychologisch
sekun-där. Es entsteht ein fester Zusammenhalt zwischen den
PoyzellistIn-nen verschiedenster Herkunft.
- Durch den Initiationsritus müssen sich die InitiantInnen
mit der Poyzellen-historik und der Poykultur auseinandersetzen.
- Initiationsriten helfen InitiantInnen, sich in eine neue Chreode
einzuklinken.
- Initiationsriten verhindern eine ständige Poyzellenmigration,
die sich de-struk-tiv auf die Panokratie auswirken würde. Es
wird unmöglich, jede Woche seine Poyzelle zu wechseln.
- Initiationsriten verhindern, daß die InitiantInnen erst
nach langer Zeit als voll-wertige Moyzellenmitglieder anerkannt
werden.
Jede Poyzelle entscheidet durch panokratische Volksentscheide,
ob ein In-itia-tionsritus für den Eintritt in die Poyzelle
eingeführt wird, und wenn ja, welche Form der zeremonielle
Ritus hat. Natürlich muß die Initiationszere-mo-nie an
die moderne Zeit angepaßt sein. Vor allem sollten bleibende
körper-liche Spuren vermieden werden, damit die InitiantInnen
beliebig oft die Poyzelle wechseln können.
3. Aber nicht nur in musischen Bereichen werden sich solch originelle
Eigen-willig-keiten herauskristallisieren, sondern auch in der Sexualphilosophie
be-sitzt jede Poyzelle seine spezifischen Vorlieben. Dies ist die
poyzellare Sexualfunktion.
Es gibt prüde und sexbesessene, romantisch-zärtliche
und sado-maso, hetero-sexuelle und homosexuelle, unisexuelle und
bisexuelle, sexual-stereo-typische und verspielte, treue und promiske
sowie monogame und poly-game Poyzellen.
In jeder Poyzelle herrschen andere Tabus, andere Freiheiten und
andere sexuelle Riten vor. Auch dies sollte von jeder Poyzelle jedes
Jahrzehnt durch einen Volksentscheid neu ermittelt werden. Ansonsten
fällt es schwer, die tradierten Tabumauern einzureißen,
da gerade bei diesem Thema aus den tiefsten Sphären des Unterbewußtseins
sich ein wahres Gefühls-feuerwerk entfacht, das jede normal-objektive
Auseinandersetzung überstrahlt.
Die Sexualvolksentscheide nehmen daher eine Sonderstellung innerhalb
der panokratischen Volksentscheide ein. Sie werden streng geheim
in der klas-sischen Art ohne die (in einem späteren Kapitel
erklärte) Handurne ausge-führt. Die Wahlzettel müssen
dabei alle nur denkbaren Möglichkeiten an-bie-ten und top secret
in einer geschlossenen Wahlkabine ausgefüllt werden. Es muß
anschließend unmöglich sein, die Herkunft der Zettel
zu ermitteln. Nur auf diese Weise lassen sich die wahren Phantasien
der PoyzellistInnen er-forschen.
4. Profaner ist die Versorgerfunktion der Poyzelle. Die einzelnen
Moyzellen einer Poyzelle helfen sich materiell gegenseitig aus;
dies gilt zumindest für die sogenannten Non-Tech-Güter.
Der Begriff Non-Tech-Gut wird recht weit gefaßt. Er kann sich
beziehen auf: Kleidung, Möbel, Spielsachen, ein-fachere Genußmittel,
Heilmittel, exotische Pflanzen, Kunstwerke, Schilder, Steuerungs-programme,
Moyzellenbau und -architektur, Sanitäreinrich-tungen, Toilettenartikel,
leichtere Elektroinstallationen, medizinische Ver-sor-gung, Geschirr,
Freizeitgestaltung
Jede der Moyzellen hat unterschiedliche handwerkliche Fähigkeiten.
Die Auf-gabe der Poyzellen liegt in der geschickten Absprache und
Verteilung der produzierten Non-Tech-Güter.
5. Eine weitere Aufgabe der Poyzellen liegt in der Aushilfe bei
unverschul-deter materieller Not. Diese sogenannte Versicherungsfunktion
funktio-niert deshalb, weil die in Not geratenen MoyzellistInnen
den Personen in den Nachbarmoyzellen innerhalb der Poyzelle bekannt
sind. Die verschon-ten Moyzellen treten dann einen Teil ihrer Ernte
und Grundnahrungsmittel ab, um der Moyzelle zu helfen. Im Gegenzug
dafür haben sie die Gewiß-heit, daß auch Ihnen
im Katastrophenfall unter die Arme gegriffen wird. Die Inte-gration
in eine Poyzelle ersetzt damit in unbürokratischer Weise die
heutigen Versicherungsunternehmen. Über kleingedruckte Paragräfchen
wird niemand mehr stolpern.
- Die Fayzelle oder
Die Achillesferse in den faynen Docs! -
Die Fayzelle besteht aus rund 25 Poyzellen. Da Jede Poyzelle wiederum
circa 25 Moy-zellen beinhaltet, beherbergt sie ungefähr 625
Moyzellen. Damit leben rund 15.625 Men-schen in der Fayzelle. Da
es für FayzellistInnen unmöglich ist, über fünfzehn-tausend
Menschen zu kennen, ist die Fayzelle schon ein anonymes Gebilde.
Daher kommt auch ihr Name.
Die Vorsilbe Fay- kommt von First Anonymous Yielding.
Die Fayzelle kann infolge dieser Anonymität keinerlei soziale
Aufgaben mehr über-nehmen. Dies bleibt den kleineren Moy- und
den Poyzellen vorbehalten. TjonierInnen iden-tifizieren sich daher
weit weniger mit der Fayzelle als mit ihrer Poyzelle oder gar ihrer
Moyzelle.
Die Fayzelle hat vor allem Versorgerfunktion. Die Versorgung besteht
hauptsäch-lich aus feinen Handwerksprodukten. Die Produktionsintegration
der Handwerksgüter in einer gemeinsamen Fayzelle hat mehrere
Vorteile. Der Hauptvorteil liegt in der so-ge-nannten Individualproduktion.
Bei der Individualproduktion ist das produzierte Angebot direkt
auf die Nachfrage ab-gestimmt, da in einer Fayzelle die Herstellung
und der Verbrauch räumlich und sozial eng beieinander liegen.
Infolge der Begrenztheit der Fayzelle ist es sogar mög-lich,
daß sich ProduzentInnen und KonsumentInnen gegenseitig vom
Sehen her kennen und sich folglich direkt absprechen können.
Person A, die ein paar robuste feuerrote Docs mit Schuhgröße
47 und Stahlkappen möchte, wird in der Marktwirtschaft vergeblich
suchen trotz überquellendem An-ge-bot in den Schuhgeschäften.
In der panokratischen Fayzelle genügt ein kurzer Wort-wechsel
mit Schuster B aus der Poyzelle C, vielleicht noch eine Fußausmessung
unter be-sonderer Berücksichtigung des lachenden Hühnerauges
auf dem linken kleinen Zeh. Eine Woche später liegen die feuerroten
Spezialdocs fertig und glänzend im Materio-port der Person
A.
Es ist an diesem Beispiel ersichtlich, daß die Handwerksgüter
in der Panokratie viel ge-zielter produziert werden können
als in der Markt- oder Planwirtschaft. Das verhindert Fehl-, Über-
und Unterproduktion. Die Produktion der Non-Tech-Güter werden
viel individueller auf die Wünsche des Empfängers abgestimmt.
Auch die aus-ge-fallensten Sonderwünsche können befriedigt
werden. In der Individualproduktion ist jedes Kleidungsstück,
jedes Kunstwerk, jedes Möbelstück und jedes andere Non-Tech-Produkt
ein qualitativ hochwertiges Unikat, das speziell und liebevoll auf
den Cha-rakter der BenutzerInnen abgestimmt ist.
Sie sehen, daß die Philosophie der Markt- beziehungsweise
Planwirtschaft orthogo-nal zur panokratischen Wirtschaft steht.
Dort wird auf niederwertigen Massenplunder in hoher Quantität
abgezielt, der den KundInnen durch Werbung oder durch Schleuder-preise
psychologisch aufgezwungen wird; hier liegt die Priorität auf
langlebigen, indivi-duellen Unikaten in niedriger Quantität
aber allerhöchster Qualität. Die Lang-lebig-keit, die
Robustheit und die individuelle Abstimmung der Individualproduktion
bewir-ken, daß die Personen in der Panokratie weit weniger
Non-Tech-Güter be-nötigen als im Kapitalismus beziehungsweise
im Kommunismus.
- Die Surzelle oder
Der irre Surzellrealismus -
Jeweils um die 25 Fayzellen sind wiederum zur sogenannten Surzelle
zusammenge-schlos-sen. Eine Surzelle beherbergt damit rund 625 Poyzellen,
15.625 Moyzellen und un-gefähr 390.625 Menschen. Sie hat damit
von der Personenanzahl her die Größe einer kleineren
Großstadt. Auch hier können die Fayzellen frei per panokratischem
Volks-entscheid abstimmen, welcher Surzelle sie angehören wollen.
Die Surzelle kann eben-falls per surzellweitem Volksentscheid eine
Fayzelle ausstoßen.
Die Aufgabe der Surzelle liegt hauptsächlich in der Produktion
und Verteilung von Low-Tech-Gütern. Unter Low-Tech-Gütern
wird verstanden:
- Rohstoffgewinnung für den Moyzellenbau
- Produktionsmaschinen wie Bohrmaschinen, Druckerpressen, Turbinen
- Spezialwerkzeuge
- ambulante medizinische Unfallversorgung
- Sonnenkollektoren
- elektronische Meßfühler
- einfache elektronische Bauelemente
- elektronische Geräte wie Computer, Stereoanlagen
- Teile des Materioports
- Computerprogramme wie Textverarbeitung, Publishing, Desktop, Compiler
- umweltverträgliche chemische Produkte
- akademische Ausbildungsprogramme
- Diskotheken, Vergnügungsparks
Jede Fayzelle spezialisiert sich dabei auf einige Bereiche, stellt
die Low-Tech-Güter her und verteilt sie an die bedürftigen
Nachbarsurzellen. Jeder Fachbereich sollte dabei von mindestens
zwei Poyzellen gleichzeitig beherrscht werden, damit sich keine
Ab-hängigkeit von einer einzigen Poyzelle entwickelt. Die surzellaren
Fachbereiche sind in etwa mit den Ingenieurswissenschaften vergleichbar:
Maschinenbau, Elektrotech-nik, Informatik, Chemie, Physik, Geographie
Entscheidungen auf Surzellenebene werden per Volksentscheid getroffen.
Eine ge-gen-seitige Absprache ist infolge der Fayzellengröße
nicht mehr möglich.
- Die Hyperzelle oder
Hyper mal drüber! -
Rund 25 Surzellen schließen sich zu den sogenannten Hyperzellen
zusammen. Eine Hyper-zelle besteht demnach aus circa 625 Fayzellen,
15.625 Poyzellen und somit etwa 390.625 Moyzellen oder ungefähr
9,77 Millionen Menschen.
Anfangs muß Tjo ohne Hyperzellen auskommen, da wahrscheinlich
nicht so viele Sur-zellen vorhanden sind, um sich zu Hyperzellen
zusammenschließen zu können. Ein guter Richtwert ist,
daß Tjo bei einer Bevölkerungsanzahl zwischen 156.000
und 3,9 Millionen Menschen mit einer Surzelle identisch ist und
zwischen 3,9 und 97 Millionen Menschen eine einzige Hyperzelle bildet.
Die Hyperzellen kümmern sich um die Produktion und Verteilung
von High-Tech-Gütern, sowie um die hochspezialisierte akademische
Ausbildung.
Steht in einer Hyperzelle eine Entscheidung an, wird ein hyperzellweiter
Volksent-scheid durchgeführt. Dies ist notwendig, da die Hyperzelle
so gigantisch ist, daß Ab-sprachen nicht mehr möglich
sind.
- Die Exozelle oder
Exo und Hop! -
Rund 25 Hyperzellen schließen sich zu Exozellen zusammen.
Exozellen bestehen damit aus etwa 625 Surzellen, 15.625 Fayzellen
390.625 Poyzellen, 9,77 Millionen Moy-zellen oder 244 Millionen
Menschen.
Die hohe Bevölkerungsanzahl von etwa 244 Millionen Menschen
impliziert, daß sich Exozellen wahrscheinlich nie etablieren
werden. Exozellen behandeln wir nur der Voll-ständigkeit halber.
Sollte unerwarteterweise die Bevölkerungszahl Tjos auf über
60 Millionen anschwellen, muß die Teilung der Hyperzelle Tjo
in 12 Hyperzellen unter dem Dach einer neuen Exozelle Tjo erwägt
werden. Bis dato muß Tjo auf die Leistun-gen und Produkte
der Exozellen verzichten.
Eine Aufgabe der Exozellen liegt in Hochtechnologiegroßprojekten,
welche die Kapa-zität der einzelnen Hyperzellen übersteigen.
Dies werden meist Geräte der Grund-lagen-forschung sein, wie
zum Beispiel Raumfähren, Satelliten, Sternwarten, Teilchen-be-schleuniger
usw.
Eine weitere Aufgabe der Exozellen liegt in der Normung verschiedener
technischer Ge-räte, wo dies notwendig erscheint. Bei Produkten
der Kommunikations- und Trans-port-infrastruktur sollte allerdings
die Normierung auf ganz Tjo verlagert werden.
- Die Terrazelle oder
Terra X -
Rund 25 Exozellen schließen sich zu Terrazellen zusammen.
Eine Terrazelle besteht so-mit aus circa 25 Exozellen, 625 Hyperzellen,
15.625 Surzellen, 390.625 Fayzellen, 9,77 Millionen Poyzellen, 244
Millionen Moyzellen und rund 6,1 Milliarden Men-schen. Von der ungefähren
Dimension ist das die Bevölkerungszahl der Menschheit. Eine
Menschheit mit rund 15 Milliarden Nasen wird für Mitte des
21. Jahrhunderts pro-gnostiziert. Auch sie wäre noch mit einer
Terrazelle integrierbar.
Eine umfassendere Einheit ist daher zur Zeit nicht vorstellbar.
Eine Terrazelle wird nur dann nötig, wenn ein Großteil
der Menschheit in Tjo leben würde. Das heißt, eine Terra-zelle
wird es wohl nie geben. Trotzdem wird sie hier der Vollständigkeit
halber be-handelt.
Die Terrazelle umspannt etwa einen Planeten, respektive die liebe
Erde. Terrazellen sind daher für globale Aufgaben verantwortlich.
Am wichtigsten ist der Schutz der Atmosphäre und der Aquasphäre.
An diesen Auf-gaben scheitern die heutigen Marktwirtschaften bekanntlich
in kindischer National-klüngelei kläglich. Die Terrazelle
wäre indessen mittels des (später erklärten) panokra-tischen
Volksentscheides in der Lage, schnell einen globalen Konsens zu
finden und danach zu handeln. Nur die Panokratie wäre den heutigen
planetaren Problemen ge-wachsen. Die globale CO2-Reduktion könnte
durch eine Terrazelle leicht erreicht werden. Ebenso wären
die FCKWs, nach Vermutung ihrer schädlichen Wirkung, sofort
per terrazellweitem panokratischen Volksentscheid verboten worden.
Treibhauseffekt und Ozonloch wären folglich nie in einer Terrazelle
aufgetreten.
Die Terrazelle ist ein Gebilde, das den drohenden Globalkollaps
verhindern hätte können. Da es dafür allerdings schon
heute zu spät ist, könnte die Terrazelle höchstens
die schlimmsten Folgen mindern. Aber das ist immerhin auch schon
was.
- Die Subsidiarzellen oder
Ihr persönlicher Heimatschmierfilm! -
Der Sammelbegriff für Individuum, Moyzelle, Poyzelle, Fayzelle,
Surzelle, Hyper-zelle, Exozelle und Terrazelle wird Subsidiarzelle
genannt. Die verschiedenen Sub-sidiar-zellen sind ineinandergeschachtelt.
Eine Terrazelle setzt sich aus rund 25 Exozellen zusammen. Eine
Exozelle setzt sich wiederum aus rund 25 Hyperzellen zusammen. Die
Hyperzellen enthalten um die 25 Sur-zel-len, die Surzellen wiederum
jeweils etwa 25 Fayzellen, die Fayzellen circa 25 Poy-zel-len, jene
Poyzellen jeweils rund 25 Moyzellen und schließlich die Moyzellen
jeweils ungefähr 25 Personen. Es entsteht eine Ineinanderschachtelung
in folgender Reihen-folge:
Terrazelle - Exozelle - Hyperzelle - Surzelle - Fayzelle - Poyzelle
- Moyzelle - Individuum
Die oberste Subsidiarzelle wird Hauptzelle genannt. Diese Hauptzelle
ist mit Tjo iden-tisch.
Bei einer Bevölkerungsanzahl Tjos bis ~150 Personen ist die
Hauptzelle eine Moy-zelle. Bei einer Bevölkerungszahl zwischen
~150 und ~7.500 Menschen ist sie eine Poyzelle, zwischen ~7.500
und ~375.000 Menschen eine Fayzelle, zwischen ~375.000 und ~18 Millionen
Menschen eine Hyperzelle zwischen ~18 Millionen und ~einer Milliarde
Menschen eine Exozelle und bei über einer Milliarde Menschen
eine Terra-zelle. Die Hauptzelle ist also von der Bevölkerungsanzahl
abhängig.
Die ausgewogene Ineinanderschachtelung in Subsidiarzellen wird
Parzellierung ge-nannt. Die Parzellierung ist Grundvoraussetzung
für das korrekte Funktionieren der so-ge-nannten Individualwacht,
die später erklärt wird.
Es sollte darauf geachtet werden, daß sich die verschiedenen
Subsidiarzellen jeweils aus mindestens 15 und höchstens 50
Untersubsidiarzellen gleicher Stärke zusammen-setzen.
Das Optimum der Untersubsidiarzellenanzahl liegt bei etwa 25. Unterschreiten
die Unter-subsidiarzellen die Anzahl von 15, kann die Individualwacht
außer Kraft gesetzt werden, da eine Untersubsidiarzelle ihre
Nachbarsubsidiarzellen übertrumpft. Außer-dem ist keine
ausreichende Arbeitsteilung mehr möglich.
Hat eine Subsidiarzelle dagegen mehr als 50 Untersubsidiarzellen,
wird diese Sub-sidiar-zelle zu einem unübersichtlichen, anonymen
Gebilde, mit dem sich die Bewohner nicht mehr richtig identifizieren
können. Bei einer Größe über 50 Untersubsidiarzellen
sollte daher ein sinnvoller Zellteilungsvorgang per Volksentscheid
erfolgen.
Bei einer Anzahl von weniger als 15 Untersubsidiarzellen ist eine
Fusion mit einer anderen Subsidiarzelle angebracht. Die fusionierenden
Subsidiarzellen sollten sich sym-pathisch sein und sich in Bedürfnissen
und Fähigkeiten gegenseitig ergänzen.
TjonierInnen haben genau jeweils eine Heimatmoyzelle, Heimatpoyzelle,
Heimat-fay-zelle, Heimatsurzelle, Heimathyperzelle und eventuell
eine Heimatexozelle und Hei-matterrazelle.
All diese den Menschen umschließenden Subsidiarzellen werden
Heimatsubsidiar-zellen oder kurz Ich-Zellen genannt. Mit ihnen identifizieren
sich die BürgerInnen.
Wo in herkömmlichen Staaten der Patriotismus oft fatale Konsequenzen
zeitigt, da er blind vor Staatspogromen macht und oft außer
Kontrolle gerät (siehe Drittes Reich oder Neonationalismus),
wirken sich Heimatgefühle in einer parzellaren Panokratie gerade-zu
positiv aus. Die kritische Heimatliebe zu seinen Ich-Zellen erhöht
den Altru-is-mus und verbessert die Individualwacht.
Wo in konventionellen Staaten der Patriotismus bekämpft werden
muß, um nicht außer Kontrolle zu geraten, wird der Patriotismus
in der Panokratie automatisch bei Fehl-entwicklungen durch die Nachbarsubsidiarzellen
in Schach gehalten. Der Stolz auf ihre Ich-Zellen wird mit ein Grund
dafür sein, daß die Menschen gerne für ihre Hei-mat-subsidiarzellen
arbeiten.
Ein weiterer Grund ist die freie Einteilung und Wahl der Arbeit
ohne Sachzwänge, welche die Arbeit weniger zu einem Beruf macht
als vielmehr zu einer Berufung oder zu-mindest zu einem Hobby.
Auch die Nächstenliebe wird eine Rolle spielen. Sie wird in
der Panokratie stark aus-geprägt sein, da sie nicht
wie im Kapitalismus oder Kommunismus unter-drückt wird.
Ebenso spielt die Isolationsangst eine Rolle. Stark schmarotzende
Sub-sidiar-zellen laufen Gefahr, von der übergeordneten Subsidiarzelle
ausgestoßen zu werden. Zumindest ziehen sie den Zorn der Nachbarsubsidiarzellen
auf sich. Die ver-schie-denen Subsidiarzellen werden versuchen,
den Bedürfnissen der Nachbar-subsidiar-zellen einigermaßen
gerecht zu werden.
Die einzelnen Subsidiarzellen verteilen diese Bedürfnisse
gemäß den Fähigkeiten und den Wünschen in ihre
jeweiligen Untersubsidiarzellen herab und diese verteilen ihre Aufgaben
wiederum an ihre Untersubsidiarzellen usw. Dieser Vorgang wird retrogrative
Motivation genannt.
(.....)
- Resümee oder So! -
Der Mensch ist in unseren heutigen demokratischen Marktwirtschaften
zu einem ohnmächtigen Sklaven des rationalen Systems degradiert.
Leider sind sich die allerwenigsten dieser schrecklichen Tatsache
bewußt, da sich das System höchst subtiler Unterdrückungsmethoden
bedient und die Systemkomplexität die wahre destruktive Natur
unserer vielgepriesenen demokratischen Marktwirtschaft verschleiert.
Unsere heutigen Wirtschafts- und Politsysteme haben längst
eine Eigendynamik entwickelt, die sich nicht mehr stoppen läßt
und sich langsam aber sicher in Richtung einer globalen Katastrophe
bewegt. Kein Mensch und keine Gruppe kann den Kurs in den kollektiven
Suizid umprogrammieren, da wir alle selbst integrativer Bestandteil
dieses wahnsinnigen Systems sind.
Unsere einzige mögliche Rettung ist die Errichtung der Panokratie.
Sie stellt nicht nur eine Art High-Tech-Arche-Noah dar, die Pflanzen,
Tiere, Menschen, Zivilisation und Kultur vor anzunehmenden Katastrophen
schützt, sondern ist gleichzeitig eine Alternative zu den aktuellen
demokratisch-totalitaristischen Staatssystemen. Wir sollten keinesfalls
so illusorisch sein und glauben, die Panokratie sei die Idealgesellschaft.
Auch hier wird es interne Probleme und Zwietracht geben. Wichtig
ist jedoch der Komparativ, daß die tjonische Panokratie menschenwürdiger
ist als die pure konventionelle Demokratie. Hier haben Mensch und
Tier erstmals akzeptabel freie Entfaltungsmöglichkeiten.
Vielleicht wird Tjo nie in die Praxis umgesetzt.
Vielleicht aber doch!!!
Vielleicht vermochte dieses Buch, Sie für die Panokratie zu
begeistern.
Zugegeben, manches klingt utopisch. Eine Illusion ist die Panokratie
jedoch nicht! Es liegt an Ihnen, ob aus der Utopie eine Topie
wird. Angesichts des Abgrunds, vor dem die Menschheit heute steht,
kann die Frage nur heißen:
TOPIE OR NOT TO BE!
Auszug aus:Tobi Blubb / Panokratie
PANOKRATIE: www.panokratie.de
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