Sterneck.Net



STERNECK.NET

Cybertribe-Archiv

Utopia  |  Politik  |  Ökologie  |  Gender  |  Sex  |  Cyber
Ritual  |  Drogen  |  Musik  |  Literatur  |  Vision  ||  Projekte  ||  English

Claus Sterneck
Claus-In-Island  |  Pictures+Sounds  |  Ausstellungen  |  Musik  |  Facebook  |  News  |  English

Wolfgang Sterneck
Artikel+Texte  |  Foto-Reportagen  |  Bücher  |  Workshops  |  Musik  |  Facebook  |  News  |  English

Connecta
www.sterneck.net contact@sterneck.net
NACHTTANZDEMO.04
RECLAIM THE STREETS AGAIN!


datum: 03.09.2004
von 19.00 Uhr bis 0.00 Uhr
Auftaktkundgebung: Zoo
Zwischenkundgebung: Hauptwache
Abschlusskundgebung: Güterplatz Gallus

Fotos

NACHTTANZDEMO.04 - RECLAIM THE STREETS AGAIN!
- Presseerklärung -

Die allgemeine Wirtschaftslage schlägt sich in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens nieder, so auch im Kulturbereich.

Kulturpolitik gerät dadurch zur Posse und es geht oft genug nur noch darum, sich auf dem globalen Schlachtfeld zwischen Konkurrenzkampf und Diplomatie als zivilisiert, kulturell aufgeschlossen, sozial und tolerant zu präsentieren. Hier wittert die Wirtschaft ihre große Chance und richtet ihrerseits Veranstaltungen mit scheinbar kulturellem Anspruch aus. Die Folge davon ist die Omnipräsenz der Wirtschaft in Form von Werbung in allen Formen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Innovative Veranstaltungen mit unkommerziellem Charakter haben da keinen Platz.

Ein lebendiges, alternatives, unabhängiges und werbefreies Kulturleben abseits vom kommerziellen Mainstream ist allerdings durch keine gecastete Band zu ersetzen, denn nicht selten kommen entscheidende kulturelle Impulse aus dem Untergrund. Von wirtschaftlichen und/oder politischen Interessen geleitete Kulturpolitik und der damit initiierte bzw. diktierte Geschmack (und sei er noch so lecker) führt letztlich zu Monokultur und damit zu Stillstand und zur Verödung der Kulturlandschaft.

Kultur kann sich nur in Freiheit wirklich frei entwickeln. ... Für diese Maxime einzustehen ist erklärtes Ziel der kulturOffensive, die sich aus politischen Gruppen, Vereinen und Clubs verschiedenster coleur gegründet hat. Fester Bestandteil davon ist die NachtTanzDemo - ein Signal, das aufmerksam machen will auf die Situation, ein hörbarer Lichtstrahl im Dunkel der aktuellen Kulturpolitik. Die Nachttanzdemo ist das Einklagen des Rechtes auf einen eigenen Geschmack, auf Vielfalt und eine unkommerzielle, freie Kulturlandschaft.

Initiative kulturOffensive:
www.kulturoffensive.org


NACHTTANZDEMO.04 - RECLAIM THE STREETS AGAIN!
- Aufruf -

Multikulturell - ein viel benutzter und stark strapazierter Begriff, der für Weltoffenheit, Toleranz und gegenseitige Akzeptanz steht und es gibt diverse Veranstaltungen in Frankfurt, die sich diesem Credo verschrieben haben.

Events wie Sound of Frankfurt, das Rosen- und Lichterfest, die Parade der Kulturen und das Museumsuferfest tragen ein Stück multikulturelles Erbe weiter und sind attraktiver Bestandteil der Kulturlandschaft Frankfurts. Auch Sportveranstaltungen wie das Radrennen rund um den Henningerturm und Ironman tragen medienwirksam mit dazu bei, die Attraktivität des Standortes Frankfurt zu erhöhen.

Und genau darum geht es: Der Wirtschaftsstandort Frankfurt muß an
Attraktivität gewinnen.

- Das magersüchtige Gespenst -

Die Etats der Städte und Gemeinden sind jedoch in den letzten Jahren derart gekürzt worden, dass der Bereich Kultur, neben Bildung und Sozialem ein Zuschußbereich, wohl eher als magersüchtiges Gespenst durch die Politik geistert. Bei näherer Betrachtung unter Berücksichtigung der Interessensgruppen, die den Begriff multikulturell hin und wieder bemühen, wird schnell deutlich, dass es meist nicht darum geht, Kulturen zu verstehen, zu respektieren und zu integrieren, ohne dabei ihre Eigenständigkeit und Individualität zu untergraben. Vielmehr geht es oft genug nur darum, sich auf dem globalen Schlachtfeld zwischen Konkurrenzkampf und Diplomatie als aufgeschlossen, sozial und tolerant zu präsentieren. Dies wird dann mit Symptombehandlungen und Verboten verifiziert.

Im folgenden Beispiele, die wohl eher nicht zum multi- bzw. interkulturellen Ruhm beitragen.

- Weniger Ruhmreiches -

In Frankfurt wurden in den letzten Jahren sehr viele Jugendhäuser geschlossen, vornehmlich die mit einem hohen Anteil ausländischer Jugendlicher. Das ehemalige Jugendhaus am Südbahnhof beherbergt jetzt ein Fitnesszentrum. Das Jugendhaus Rödelheim wurde von einem ähnlichen Schicksal getroffen. An den Schulen herrschen teilweise katastrophale Zustände. Klassenstärken von mehr als 30 SchülerInnen zum Beispiel auch am renommierten Goethe-Gymnasium sind mittlerweile die Regel. Wer nicht ins Schema paßt, fällt unweigerlich raus, da die Kapazität fehlt, um sich mit Normabweichungen auseinandersetzen zu können. Darüber kann auch kein neuer Innenanstrich hinwegtäuschen. Im Bereich Kultur sieht es nicht besser aus. So hat die Stadtverwaltung beispielsweise den Zuschuss für die Akademie der darstellenden Künste sukzessive bis auf 8000 € jährlich gekürzt. Im Jahr 2004 wurden die Mittel ganz gestrichen. Konsequenz: Umzug der Akademie nach mehr als vierzig Jahren von Frankfurt nach Bensheim.

Multikulturelles Frankfurt heißt also auch Vernachlässigung bzw.Vertreibung all dessen, was keinen signifikanten Image- oder Geldgewinn (mehr) zu bringen scheint oder was nicht ins Bild der modernen Stadt von Welt paßt. Das heißt nach wie vor rassistisch anmutende Kontrollen im Innestadtbereich und am Einlaß einiger Clubs, Schließung alternativer Veranstaltungsorte, Kriminalisierung von Parties und deren BesucherInnen, Vertreibung von Wohnsitzlosen, Illegalisierung von alternativen Wohnprojekten, Abschiebung von Flüchtlingen, etc.

Die repressive Politik gegenüber unkommerzieller Kultur ist die konsequente Fortsetzung dieser Standort- und Stadtpolitik. Alternativangebote gibt es immer weniger, denn die Auflagen, die mit der Durchführung von Veranstaltungen verbunden sind, stellen die Realisierung selbiger nicht selten in Frage. So nehmen einerseits aus Geldmangel und andererseits im Interesse der Imageaufbesserung oft nur kulturelle Angebote in Form von kommerziellen (Groß-)Veranstaltungen, wie den Konzerten auf dem Opernplatz, zu. Der Opernplatz, ein öffentlicher Raum, wie er öffentlicher kaum sein könnte, wird hier zum Sinnbild der Privatisierungs- und Kommerzialisierungspolitik der Stadt, in nur noch das stattfindet, was Geld bringt und nur noch der bleiben darf, der zahlt.

Dies sind die Seiten der selben Medaille auf der einen Seite versammelt sich das Geld und damit Macht, auf der anderen Seite bleiben Menschen mit ihren Schicksalen und Ideen auf der Strecke. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil sie keine Lobby und damit keinen (politischen) Einfluß haben.

- Das richtige Duschzeug? -

Unabhängige Veranstaltungen abseits vom Mainstream sind nur mit sehr viel Eigeninitiative und privaten Investitionen möglich, da von öffentlicher Hand finanzielle Mittel hierfür nur selten oder nicht vorgesehen sind. Dies schlägt sich unter anderem darin nieder, dass viele Veranstaltungen von Zuschüssen aus der Wirtschaft abhängig sind (Sponsoring) bzw. von Unternehmen komplett ausgerichtet werden.

Infolgedessen werden Marken und deren Image immer wichtiger und obwohl uns ein amerikanischer Getränkeverkäufer glauben machen will, dass Image nichts sei, leben wir in einer Gesellschaft des Scheinens. Du bist dabei, solange die Fassade stimmt und bezahlt wird mit dem guten Namen. Zum Zwecke der Selbstbestätigung wird ein X-Showergel-Event veranstaltet und der Typ mit Ausstrahlung gesucht, der seinen delikaten Auftrag im Beachclub erfüllt. Hauptsache er ist geduscht, dann klappt das schon - solange er nur das richtige Duschzeug benutzt. Hier wird eine Pseudorealität erzeugt. Ein Spektakel aufgeführt in, mit und von der Gesellschaft des Spektakels. Alle sind Mitwirkende - als Zuschauende und scheinbar frei Agierende zugleich, denn das Spektakel benötigt kein Publikum. Es existiert aus reinem Selbstzweck und das Drehbuch steht fest.

Allerdings ist ein lebendiges, alternatives, unabhängiges und werbefreies Kulturleben abseits vom kommerziellen Mainstream durch keine gecastete Band zu ersetzen, denn nicht selten kommen entscheidende kulturelle Impulse aus dem Untergrund. Ohne freischaffende und -denkende Kulturszene wäre unser Land um einiges ärmer. Von wirtschaftlichen und/oder politischen Interessen geleitete Kulturpolitik und der damit initiierte bzw. diktierte Geschmack (und sei er noch so lecker) führt letztlich zu Monokultur und damit zu Stillstand und zur Verödung der Kulturlandschaft. Die deutsche Geschichte weist diesbezüglich Beispiele auf, die zumindest bemerkenswert erscheinen.

- Das kulturelle Selbstbewusstsein -

Kultur kann sich nur in Freiheit wirklich frei entwickeln. Die Freiheit der Kultur von wirtschaftlichen Interessen ist die Grundvoraussetzung für eine gesunde, sich weiterentwickelnde, kulturelle Identität und ein angemessenes kulturelles Selbstbewußtsein. Diese Identität allerdings wird mit jedem neuen, gesponsertem Beachclub, der aus dem meist vorher nicht vorhandenem Strand gestampft wird, einmal mehr in die Kanalisation gespült. Das kulturelle Selbstbewusstsein liegt derweil als Spritzschutz vor dem Becken und intoniert Hänschen Klein 2004.

Dieser Entwicklung entschieden entgegenzutreten ist erklärtes Ziel der initiative KulturOffensive, die sich aus politischen Gruppen, Vereinen und Clubs verschiedenster coleur gegründet hat.

Fester Bestandteil dieses Entgegentretens ist die Nachttanzdemo - ein Signal, das aufmerksam machen will auf die Situation, ein hörbarer Lichtstrahl im Dunkel der aktuellen Kulturpolitik.

Die Nachttanzdemo ist das Einklagen des Rechtes auf einen eigenen Geschmack, auf Vielfalt und eine unkommerzielle, freie Kulturlandschaft.


NachtTanzDemo.04 - reclaim your streets again

datum: 03.09.2004 von 19.00 Uhr bis 0.00 Uhr
Auftaktkundgebung: Zoo
Zwischenkundgebung: Hauptwache
Abschlusskundgebung: Güterplatz Gallus
Route: Zoo (Alfred-Brehm-Platz), Pfingstweidstraße, Zeil, Konstablerwache, Kurt-Schumacher-Straße, Battonnstraße, Berliner Straße, Friedensstraße, Rossmarkt, Hauptwache, Biebergasse, Große Gallusstraße, Taunustor, Gallusanlage, Untermainanlage, Untermainbrücke, Schaumainkai, Friedensbrücke Baselerstraße, Am Hauptbahnhof, Düsseldorfer Straße, Mainzer Landstraße, Güterplatz, ...

NachtTanzDemo 2004 wird unterstützt von:
ALICE - The Drug- and Culture-Project, andCompany&Co, antifa.jugend.ffm, autonome.antifa [f], AU Veranstaltungsgruppe, Beatz against fascism, Bembelterror, Club Kiew, Connecta, Dionysos Frankfurt e.V., Dj-Kaffeekränzchen, ExCantina, Exil, Exzess, Frankfurter Schule, Frei:Schall, JungdemokratInnen/Junge Linke Frankfurt, KomistA, main|stromkultur, Monsun Crew, Playground, Psylofant-Records, *raumstation rödelheim*, StadtschülerInnenRat, sterneck.net, Space Frogz, Tanzhaus West, Tripbeat, underground source, Untergrund Navigator, Volkstanzkomitee, Wagenplatz Rödelheim im Exil.


Initiative kulturOffensive:
www.kulturoffensive.org

Druckansicht
Zurück zur Übersicht