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NACHTTANZDEMO.04
RECLAIM THE STREETS AGAIN!
datum: 03.09.2004
von 19.00 Uhr bis 0.00 Uhr
Auftaktkundgebung: Zoo
Zwischenkundgebung: Hauptwache
Abschlusskundgebung: Güterplatz Gallus
Fotos
NACHTTANZDEMO.04 - RECLAIM THE STREETS AGAIN!
- Presseerklärung -
Die allgemeine Wirtschaftslage schlägt sich in allen Bereichen
des öffentlichen und privaten Lebens nieder, so auch im Kulturbereich.
Kulturpolitik gerät dadurch zur Posse und es geht oft genug
nur noch darum, sich auf dem globalen Schlachtfeld zwischen Konkurrenzkampf
und Diplomatie als zivilisiert, kulturell aufgeschlossen, sozial
und tolerant zu präsentieren. Hier wittert die Wirtschaft ihre
große Chance und richtet ihrerseits Veranstaltungen mit scheinbar
kulturellem Anspruch aus. Die Folge davon ist die Omnipräsenz
der Wirtschaft in Form von Werbung in allen Formen in allen Bereichen
des öffentlichen Lebens. Innovative Veranstaltungen mit unkommerziellem
Charakter haben da keinen Platz.
Ein lebendiges, alternatives, unabhängiges und werbefreies
Kulturleben abseits vom kommerziellen Mainstream ist allerdings
durch keine gecastete Band zu ersetzen, denn nicht selten kommen
entscheidende kulturelle Impulse aus dem Untergrund. Von wirtschaftlichen
und/oder politischen Interessen geleitete Kulturpolitik und der
damit initiierte bzw. diktierte Geschmack (und sei er noch so lecker)
führt letztlich zu Monokultur und damit zu Stillstand und zur
Verödung der Kulturlandschaft.
Kultur kann sich nur in Freiheit wirklich frei entwickeln. ... Für diese Maxime einzustehen ist erklärtes Ziel der kulturOffensive,
die sich aus politischen Gruppen, Vereinen und Clubs verschiedenster
coleur gegründet hat. Fester Bestandteil davon ist die NachtTanzDemo
- ein Signal, das aufmerksam machen will auf die Situation, ein
hörbarer Lichtstrahl im Dunkel der aktuellen Kulturpolitik.
Die Nachttanzdemo ist das Einklagen des Rechtes auf einen eigenen
Geschmack, auf Vielfalt und eine unkommerzielle, freie Kulturlandschaft.
Initiative kulturOffensive:
www.kulturoffensive.org
NACHTTANZDEMO.04 - RECLAIM THE STREETS AGAIN!
- Aufruf -
Multikulturell - ein viel benutzter und stark strapazierter Begriff,
der für Weltoffenheit, Toleranz und gegenseitige Akzeptanz
steht und es gibt diverse Veranstaltungen in Frankfurt, die sich
diesem Credo verschrieben haben.
Events wie Sound of Frankfurt, das Rosen- und Lichterfest, die Parade
der Kulturen und das Museumsuferfest tragen ein Stück multikulturelles
Erbe weiter und sind attraktiver Bestandteil der Kulturlandschaft
Frankfurts. Auch Sportveranstaltungen wie das Radrennen rund um
den Henningerturm und Ironman tragen medienwirksam mit dazu bei,
die Attraktivität des Standortes Frankfurt zu erhöhen.
Und genau darum geht es: Der Wirtschaftsstandort Frankfurt muß
an
Attraktivität gewinnen.
- Das magersüchtige Gespenst -
Die Etats der Städte und Gemeinden sind jedoch in den letzten
Jahren derart gekürzt worden, dass der Bereich Kultur, neben
Bildung und Sozialem ein Zuschußbereich, wohl eher als magersüchtiges
Gespenst durch die Politik geistert. Bei näherer Betrachtung
unter Berücksichtigung der Interessensgruppen, die den Begriff
multikulturell hin und wieder bemühen, wird schnell deutlich,
dass es meist nicht darum geht, Kulturen zu verstehen, zu respektieren
und zu integrieren, ohne dabei ihre Eigenständigkeit und Individualität
zu untergraben. Vielmehr geht es oft genug nur darum, sich auf dem
globalen Schlachtfeld zwischen Konkurrenzkampf und Diplomatie als
aufgeschlossen, sozial und tolerant zu präsentieren. Dies wird
dann mit Symptombehandlungen und Verboten verifiziert.
Im folgenden Beispiele, die wohl eher nicht zum multi- bzw. interkulturellen
Ruhm beitragen.
- Weniger Ruhmreiches -
In Frankfurt wurden in den letzten Jahren sehr viele Jugendhäuser
geschlossen, vornehmlich die mit einem hohen Anteil ausländischer
Jugendlicher. Das ehemalige Jugendhaus am Südbahnhof beherbergt
jetzt ein Fitnesszentrum. Das Jugendhaus Rödelheim wurde von
einem ähnlichen Schicksal getroffen. An den Schulen herrschen
teilweise katastrophale Zustände. Klassenstärken von mehr
als 30 SchülerInnen zum Beispiel auch am renommierten Goethe-Gymnasium
sind mittlerweile die Regel. Wer nicht ins Schema paßt, fällt
unweigerlich raus, da die Kapazität fehlt, um sich mit Normabweichungen
auseinandersetzen zu können. Darüber kann auch kein neuer
Innenanstrich hinwegtäuschen. Im Bereich Kultur sieht es nicht
besser aus. So hat die Stadtverwaltung beispielsweise den Zuschuss
für die Akademie der darstellenden Künste sukzessive bis
auf 8000 € jährlich gekürzt. Im Jahr 2004 wurden
die Mittel ganz gestrichen. Konsequenz: Umzug der Akademie nach
mehr als vierzig Jahren von Frankfurt nach Bensheim.
Multikulturelles Frankfurt heißt also auch Vernachlässigung
bzw.Vertreibung all dessen, was keinen signifikanten Image- oder
Geldgewinn (mehr) zu bringen scheint oder was nicht ins Bild der
modernen Stadt von Welt paßt. Das heißt nach wie vor
rassistisch anmutende Kontrollen im Innestadtbereich und am Einlaß
einiger Clubs, Schließung alternativer Veranstaltungsorte,
Kriminalisierung von Parties und deren BesucherInnen, Vertreibung
von Wohnsitzlosen, Illegalisierung von alternativen Wohnprojekten,
Abschiebung von Flüchtlingen, etc.
Die repressive Politik gegenüber unkommerzieller Kultur ist
die konsequente Fortsetzung dieser Standort- und Stadtpolitik. Alternativangebote
gibt es immer weniger, denn die Auflagen, die mit der Durchführung
von Veranstaltungen verbunden sind, stellen die Realisierung selbiger
nicht selten in Frage. So nehmen einerseits aus Geldmangel und andererseits
im Interesse der Imageaufbesserung oft nur kulturelle Angebote in
Form von kommerziellen (Groß-)Veranstaltungen, wie den Konzerten
auf dem Opernplatz, zu. Der Opernplatz, ein öffentlicher Raum,
wie er öffentlicher kaum sein könnte, wird hier zum Sinnbild
der Privatisierungs- und Kommerzialisierungspolitik der Stadt, in
nur noch das stattfindet, was Geld bringt und nur noch der bleiben
darf, der zahlt.
Dies sind die Seiten der selben Medaille auf der einen Seite versammelt
sich das Geld und damit Macht, auf der anderen Seite bleiben Menschen
mit ihren Schicksalen und Ideen auf der Strecke. Nicht, weil sie
schlecht sind, sondern weil sie keine Lobby und damit keinen (politischen)
Einfluß haben.
- Das richtige Duschzeug? -
Unabhängige Veranstaltungen abseits vom Mainstream sind nur
mit sehr viel Eigeninitiative und privaten Investitionen möglich,
da von öffentlicher Hand finanzielle Mittel hierfür nur
selten oder nicht vorgesehen sind. Dies schlägt sich unter
anderem darin nieder, dass viele Veranstaltungen von Zuschüssen
aus der Wirtschaft abhängig sind (Sponsoring) bzw. von Unternehmen
komplett ausgerichtet werden.
Infolgedessen werden Marken und deren Image immer wichtiger und
obwohl uns ein amerikanischer Getränkeverkäufer glauben
machen will, dass Image nichts sei, leben wir in einer Gesellschaft
des Scheinens. Du bist dabei, solange die Fassade stimmt und bezahlt
wird mit dem guten Namen. Zum Zwecke der Selbstbestätigung
wird ein X-Showergel-Event veranstaltet und der Typ mit Ausstrahlung
gesucht, der seinen delikaten Auftrag im Beachclub erfüllt.
Hauptsache er ist geduscht, dann klappt das schon - solange er nur
das richtige Duschzeug benutzt. Hier wird eine Pseudorealität
erzeugt. Ein Spektakel aufgeführt in, mit und von der Gesellschaft
des Spektakels. Alle sind Mitwirkende - als Zuschauende und scheinbar
frei Agierende zugleich, denn das Spektakel benötigt kein Publikum.
Es existiert aus reinem Selbstzweck und das Drehbuch steht fest.
Allerdings ist ein lebendiges, alternatives, unabhängiges und
werbefreies Kulturleben abseits vom kommerziellen Mainstream durch
keine gecastete Band zu ersetzen, denn nicht selten kommen entscheidende
kulturelle Impulse aus dem Untergrund. Ohne freischaffende und -denkende
Kulturszene wäre unser Land um einiges ärmer. Von wirtschaftlichen
und/oder politischen Interessen geleitete Kulturpolitik und der
damit initiierte bzw. diktierte Geschmack (und sei er noch so lecker)
führt letztlich zu Monokultur und damit zu Stillstand und zur
Verödung der Kulturlandschaft. Die deutsche Geschichte weist
diesbezüglich Beispiele auf, die zumindest bemerkenswert erscheinen.
- Das kulturelle Selbstbewusstsein -
Kultur kann sich nur in Freiheit wirklich frei entwickeln. Die Freiheit
der Kultur von wirtschaftlichen Interessen ist die Grundvoraussetzung
für eine gesunde, sich weiterentwickelnde, kulturelle Identität
und ein angemessenes kulturelles Selbstbewußtsein. Diese Identität
allerdings wird mit jedem neuen, gesponsertem Beachclub, der aus
dem meist vorher nicht vorhandenem Strand gestampft wird, einmal
mehr in die Kanalisation gespült. Das kulturelle Selbstbewusstsein
liegt derweil als Spritzschutz vor dem Becken und intoniert Hänschen
Klein 2004.
Dieser Entwicklung entschieden entgegenzutreten ist erklärtes
Ziel der initiative KulturOffensive, die sich aus politischen Gruppen,
Vereinen und Clubs verschiedenster coleur gegründet hat.
Fester Bestandteil dieses Entgegentretens ist die Nachttanzdemo
- ein Signal, das aufmerksam machen will auf die Situation, ein
hörbarer Lichtstrahl im Dunkel der aktuellen Kulturpolitik.
Die Nachttanzdemo ist das Einklagen des Rechtes auf einen eigenen
Geschmack, auf Vielfalt und eine unkommerzielle, freie Kulturlandschaft.
NachtTanzDemo.04 - reclaim your streets again
datum: 03.09.2004 von 19.00 Uhr bis 0.00 Uhr
Auftaktkundgebung: Zoo
Zwischenkundgebung: Hauptwache
Abschlusskundgebung: Güterplatz Gallus
Route: Zoo (Alfred-Brehm-Platz), Pfingstweidstraße, Zeil,
Konstablerwache, Kurt-Schumacher-Straße, Battonnstraße,
Berliner Straße, Friedensstraße, Rossmarkt, Hauptwache,
Biebergasse, Große Gallusstraße, Taunustor, Gallusanlage,
Untermainanlage, Untermainbrücke, Schaumainkai, Friedensbrücke
Baselerstraße, Am Hauptbahnhof, Düsseldorfer Straße,
Mainzer Landstraße, Güterplatz, ...
NachtTanzDemo 2004 wird unterstützt von:
ALICE - The Drug- and Culture-Project, andCompany&Co, antifa.jugend.ffm,
autonome.antifa [f], AU Veranstaltungsgruppe, Beatz against fascism,
Bembelterror, Club Kiew, Connecta, Dionysos Frankfurt e.V., Dj-Kaffeekränzchen,
ExCantina, Exil, Exzess, Frankfurter Schule, Frei:Schall, JungdemokratInnen/Junge
Linke Frankfurt, KomistA, main|stromkultur, Monsun Crew, Playground,
Psylofant-Records, *raumstation rödelheim*, StadtschülerInnenRat,
sterneck.net, Space Frogz, Tanzhaus West, Tripbeat, underground
source, Untergrund Navigator, Volkstanzkomitee, Wagenplatz Rödelheim
im Exil.
Initiative kulturOffensive:
www.kulturoffensive.org
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